Unsere Eltern bestimmen so viel von uns, von der Augenfarbe bis hin zu unseren Vorlieben und Abneigungen. Doch sie geben uns noch etwas anderes, das unser Leben beeinflussen kann: Eine einzigartige Gemeinschaft nützlicher Bakterien.

Wenn man sich an die Idee gewöhnt hat, dass viele Bakterien gut sind, fasziniert die Tatsache, dass jeder von uns eine einzigartige Mikrobengemeinschaft hat. Bakterien erledigen wichtige Aufgaben, und ohne sie wären wir nicht so gesund wie wir es heute sind. Aber wie haben sich diese individuellen Ökosysteme entwickelt, und was bedeutet das in der Zukunft für unsere Gesundheit?

Unsere Bakterien begleiten uns von Geburt an

Die Forschung zum mikrobiellen Leben steckt noch in den Kinderschuhen, doch aktuelle Studien geben viel Auskunft dazu, wie wir unsere eigene Ansammlung winziger Organismen heranzüchten. Wissenschaftler glauben, dass eines unserer frühesten Zusammentreffen mit Mikroben während der Geburt stattfindet. Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass der Geburtsprozess dabei hilft, die Bakteriengemeinschaft der Mutter auf das Kind zu übertragen, sodass sie zu einem lebenswichtigem Erbstück wird.

Dieser Transfer setzt sich während des Stillens fort. Die Oligosacchariden in der Muttermilch stellten lange Zeit ein Rätsel dar, da Babys diese komplexen Kohlenhydrate selbst nicht verdauen können. Doch die Oligosaccharide stellen Nahrung für eine Bakterienart dar, die sich im Darm des Babys befindet, und die die Oligosaccharide abbauen kann und so wiederum dazu beiträgt, das Kind zu ernähren.

Bis zum dritten Lebensjahr haben wir bereits ein komplexes bakterielles Ökosystem entwickelt.

Bakterien wachsen mit uns auf

Während unserer ganzen Kindheit setzen wir diesen Prozess fort und sammeln Bakterien (gute und schlechte) von verschiedenen Objekten, unseren Mitmenschen und unserer natürlichen Umgebung ein.

Man nimmt sogar an, dass ein merklicher Unterschied in der bakteriellen Zusammensetzung, die der durchschnittliche Westeuropäer im Vergleich zu traditionellen Gesellschaften aufweist, durch den Rückgang der kollektiven Kindererziehung bedingt ist. Statt ein Baby zwischen vielen Betreuungspersonen in einem Dorf herumzureichen, werden Kinder in westlichen Gesellschaften eher nur von ein oder zwei Elternteilen aufgezogen. Manche Forscher denken, dass dies, in Kombination mit der erhöhten Sterilität in unseren Lebensumfeldern, auch die Vielfalt unserer Mikrobiotik verringert.

Das zweite, geheime Genom

Bis zu unserem dritten Lebensjahr haben wir bereits ein komplexes bakterielles Ökosystem entwickelt, das uns unser ganzes Leben lang begleitet und sich nach Bedarf anpasst. Dadurch haben wir eine völlig einzigartige Ansammlung von Bakterien, die vielleicht noch persönlicher als unser Fingerabdruck ist und mittlerweile unter der Bezeichnung „zweites Genom“ bekannt ist.

Vor etwa 10 Jahren sequenzierten Wissenschaftler das menschliche Genom, das die Gesamtheit der DNS darstellt und das gesamte menschliche Leben bestimmt. Dies leitete eine neue Ära der Medizin ein, die sich auf das Verstehen der einzelnen Prozesse in jeder unserer Zellen richtet. In letzter Zeit verlagert sich die Aufmerksamkeit auf das Genom unserer Bakterien, d. h. die Gesamtheit der in ihren Zellen enthaltenen DNS. Die Forscher des Human Microbiome Project glauben, das könnte Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben.

Die Ernährungsweise, der Lebensstil und die Erziehung einer Person spiegeln sich in den Bakterien wider. Indem wir lernen, die Bedeutung der verschiedenen Variationen zu entziffern, hoffen Wissenschaftler ihre positiven Effekte rekonstruieren zu können. Viele Forscher sehen darin eine mögliche Revolution in der Individualmedizin.

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